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Die andere Jugend

Jugendkulturen in der DDR und der Transformationszeit

Auftraggeber
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Projektlaufzeit
seit 2021
Umfang
Digital-multimediale und interaktive Lehr- und Lernplattform zu Jugendkulturen in der DDR mit fortlaufender thematischer Erweiterung
Plattform
dieanderejugend.de

Ausgangslage und Aufgabe

Die Geschichte der DDR wird im Schulunterricht oft auf politische Strukturen, Überwachung und Mauerfall reduziert. Doch wie lebten Jugendliche in diesem Staat? Welche Musik hörten sie, welche Szenen bildeten sich, welche Konflikte trugen sie mit dem Regime aus? Die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten in der DDR — von der staatlich geförderten FDJ über Beat- und Rockmusik bis hin zu Punk, Heavy Metal und der Umweltbewegung — bleibt in herkömmlichen Unterrichtsmaterialien oft unsichtbar.

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. verfügt über einzigartige Quellenbestände zu diesen Themen: Dokumente, Fotografien, Zeitzeugenberichte, Ton- und Filmaufnahmen. Doch diese Bestände waren bislang vor allem für Forschende und interessierte Erwachsene zugänglich — nicht für die eigentliche Zielgruppe: Jugendliche von heute, die sich für das Leben Gleichaltriger in einer vergangenen Zeit interessieren könnten.

Das Archiv suchte einen Partner, der diese Bestände in eine zeitgemäße digitale Plattform überführen konnte — eine Plattform, die sowohl für den schulischen Einsatz als auch für die außerschulische Bildungsarbeit geeignet ist und Jugendliche dort abholt, wo sie stehen: mit ihren eigenen Fragen an die Geschichte.

Die Digitale Lernwelten GmbH erhielt den Auftrag, diese Plattform zu konzipieren, zu produzieren und technisch umzusetzen.

Rolle der Digitalen Lernwelten in diesem Projekt

Thematische Breite: Jugendkulturen in ihrer Vielfalt

Die Plattform bildet die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten in der DDR ab — und erweitert dieses Spektrum fortlaufend. Von Beat über Rockmusik bis zu Heavy Metal und Punk, von der SED-Jugendpropaganda über die Umweltbewegung bis zu Neonazis in der DDR: Die Themen werden nicht isoliert behandelt, sondern in ihren Wechselwirkungen mit dem politischen System sichtbar gemacht. Wie reagierte der Staat auf nonkonforme Jugendkulturen? Welche Freiräume erkämpften sich Jugendliche? Welche Konsequenzen drohten bei Unangepasstheit?

Zwei-Ebenen-System für unterschiedliche Vertiefungstiefen

Die Plattform arbeitet mit einem innovativen Zwei-Ebenen-System: Auf der ersten Ebene bietet jedes Thema eine vollständige Narration — einen zusammenhängenden Text, der auch ohne weitere Vertiefung verständlich ist. Anklickbare Elemente auf der zweiten Ebene ermöglichen die Vertiefung: Quellen, Bildergalerien, interaktive Aufgaben, Zeitzeugenberichte. So können Nutzerinnen und Nutzer selbst entscheiden, wie tief sie in ein Thema einsteigen möchten — und Lehrkräfte können die Plattform flexibel an unterschiedliche Unterrichtssituationen anpassen.

Kompetenzorientierte Struktur

Das Material ist kompetenzorientiert strukturiert und führt alle gängigen Mediengenres zusammen: Texte, Bilder, Audios, Videos, interaktive Elemente. Die Aufgabenformate orientieren sich an den Anforderungen moderner Geschichtsdidaktik: Quellenanalyse, Perspektivenwechsel, historische Urteilsbildung. Die Plattform vermittelt nicht nur Wissen, sondern fördert die eigenständige Auseinandersetzung mit historischen Fragen.

Interaktive Funktionen für aktives Lernen

Nutzerinnen und Nutzer können auf der Plattform Notizen machen, Aufgaben bearbeiten und eigene Materialien hochladen. Diese interaktiven Funktionen machen die Plattform zu einem echten Arbeitswerkzeug — nicht nur für die Rezeption, sondern auch für die produktive Auseinandersetzung mit den Inhalten. Lehrkräfte können diese Funktionen für Projektarbeit, Referate oder vertiefende Recherchen nutzen.

Integration in Bildungs- und Workshopangebote

Die Plattform wurde so konzipiert, dass sie sowohl für den ortsunabhängigen Online-Einsatz als auch für die Integration in die bestehenden Bildungs- und Workshopangebote des Archivs geeignet ist. Bei Workshops vor Ort kann die Plattform als ergänzendes Material eingesetzt werden; im Fernunterricht oder bei der individuellen Vorbereitung steht sie als eigenständiges Lernangebot zur Verfügung.

Zielgruppe: Heranwachsende von 14 bis 20 Jahren

Die Plattform richtet sich an Heranwachsende von 14 bis 20 Jahren — eine Altersgruppe, für die die DDR keine eigene Erfahrung mehr ist, sondern Geschichte. Die Aufbereitung berücksichtigt diese Perspektive: Die Inhalte werden nicht aus der Sicht derer erzählt, die sich erinnern, sondern für diejenigen aufbereitet, die verstehen wollen, wie es war, jung zu sein in einem Staat, den es nicht mehr gibt.

Leistungen der Digitale Lernwelten GmbH im Überblick

Die Digitale Lernwelten GmbH erbrachte in diesem Projekt Leistungen in den Bereichen didaktische Gesamtkonzeption einer Lehr- und Lernplattform zu Jugendkulturen in der DDR, Entwicklung eines Zwei-Ebenen-Systems für flexible Vertiefungstiefen, kompetenzorientierte Strukturierung und Aufbereitung der Inhalte, multimediale Produktion (Text, Bild, Audio, Video, interaktive Elemente), Entwicklung interaktiver Funktionen für aktives Lernen (Notizen, Aufgaben, Upload), technische Umsetzung auf Basis der mPublish-Plattform, Integration in die Bildungs- und Workshopangebote des Archivs sowie laufendes Hosting, Wartung und fortlaufende thematische Erweiterung.

Einordnung

Das Projekt „Die andere Jugend" zeigt, wie Archive ihre Bestände für neue Zielgruppen erschließen können, ohne den wissenschaftlichen Anspruch aufzugeben. Die Verbindung aus thematischer Breite, didaktischer Struktur und interaktiven Funktionen macht die Plattform zu einem Modell für die digitale Geschichtsvermittlung. Für die Digitale Lernwelten GmbH ist dieses Projekt ein Beispiel dafür, wie sich die Zusammenarbeit mit Gedenkstätten und Archiven in Plattformen übersetzen lässt, die Jugendliche wirklich erreichen — nicht durch Vereinfachung, sondern durch Zugänglichkeit.

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