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Verachtet — verfolgt — vergessen

Die Opfer der NS-„Gesundheitspolitik"

Auftraggeber
Diakonie Herzogsägmühle gGmbH
Projektlaufzeit
2025
Umfang
Interaktiv-digitale Lernplattform mit multimedialen Zugängen zur Erinnerungskultur, modularer Struktur und Materialien für schulische und außerschulische Bildungsarbeit
Plattform
gegen-das-vergessen.dilewe.de

Ausgangslage und Aufgabe

Zu den Opfergruppen des Nationalsozialismus, die lange im Schatten der Erinnerungskultur standen, gehören die Menschen, die der sogenannten „Euthanasie" und der rassenhygienischen Verfolgung zum Opfer fielen: Menschen mit Behinderungen, psychisch Erkrankte, als „asozial" oder „erbkrank" Stigmatisierte. Hunderttausende wurden zwangssterilisiert, in Anstalten verschleppt, ermordet. Ihre Geschichte wurde nach 1945 jahrzehntelang verdrängt — von der Gesellschaft, oft auch von den Institutionen, in denen die Verbrechen stattfanden.

Die Diakonie Herzogsägmühle, eine der großen diakonischen Einrichtungen in Bayern, stellte sich dieser Geschichte. An historischen Orten wie Herzogsägmühle selbst wurde die NS-„Gesundheitspolitik" konkret: Menschen wurden von hier deportiert, zwangssterilisiert, getötet. Die Aufarbeitung dieser Vergangenheit ist nicht nur eine historische Pflicht, sondern auch eine Voraussetzung für eine glaubwürdige Arbeit mit Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen heute.

Die Diakonie Herzogsägmühle suchte einen Partner, der diese schwierige Geschichte in eine zeitgemäße, zugängliche und didaktisch durchdachte digitale Form bringen konnte — eine Plattform, die sowohl für individuelle Nutzerinnen und Nutzer als auch für den Einsatz in Schulen und der außerschulischen Bildungsarbeit geeignet ist.

Die Digitale Lernwelten GmbH erhielt den Auftrag, diese Lernplattform zu konzipieren, zu produzieren und technisch umzusetzen.

Rolle der Digitalen Lernwelten in diesem Projekt

Didaktische Konzeption: Erinnerungskultur digital vermitteln

Die Plattform wurde so konzipiert, dass sie zeitgeschichtliches Lernen mit innovativen Vermittlungsformen verbindet. Im Mittelpunkt stehen nicht abstrakte historische Darstellungen, sondern konkrete Zugänge: Orte, an denen die Verbrechen stattfanden; Biografien von Menschen, die ihnen zum Opfer fielen; Ereignisse, die das System der Verfolgung sichtbar machen. Diese Zugänge ermöglichen eine Auseinandersetzung, die sowohl kognitiv als auch emotional anspricht — ohne in Betroffenheitsrhetorik zu verfallen.

Multimediale Zugänge

Die Plattform nutzt die Möglichkeiten digitaler Medien konsequent: Videos, in denen Expertinnen und Experten die historischen Zusammenhänge erläutern; Audiobeiträge, die Quellen und Zeitzeugenberichte hörbar machen; Bildmaterial, das die Orte und Menschen zeigt; interaktive Elemente, die zur aktiven Auseinandersetzung einladen. Diese Vielfalt der Zugänge ermöglicht es unterschiedlichen Nutzergruppen, ihren eigenen Weg durch die Inhalte zu finden.

Biografischer Ansatz

Ein zentrales Element der Plattform sind die Biografien der Opfer. Hinter den Zahlen und Statistiken werden einzelne Menschen sichtbar — mit Namen, Gesichtern, Lebensgeschichten. Dieser biografische Ansatz macht die abstrakte Dimension der Verbrechen fassbar und schafft Anknüpfungspunkte für Empathie und Reflexion, ohne die historische Analyse zu ersetzen.

Modulare Struktur für flexible Nutzung

Die Plattform ist modular aufgebaut: Einzelne Inhalte oder ganze Themenblöcke können unabhängig voneinander genutzt werden. Lehrkräfte können gezielt die Module auswählen, die zu ihrem Unterricht passen; außerschulische Bildungsträger können die Plattform in ihre Programme integrieren; individuelle Nutzerinnen und Nutzer können sich nach eigenem Interesse durch die Inhalte bewegen. Diese Flexibilität macht die Plattform für unterschiedliche Kontexte und Zielgruppen nutzbar.

Selbstgesteuertes Lernen

Die Plattform unterstützt selbstgesteuertes Lernen: Nutzerinnen und Nutzer bestimmen selbst, in welcher Reihenfolge und Tiefe sie sich mit den Inhalten auseinandersetzen. Interaktive Elemente ermöglichen die Überprüfung des eigenen Verständnisses; weiterführende Materialien laden zur Vertiefung ein. Durch den digitalen Zugang wird historisches Lernen orts- und zeitunabhängig möglich — die Plattform ist jederzeit und von überall zugänglich.

Anknüpfungspunkte für Bildungsarbeit

Die Plattform bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für den Schulunterricht und die außerschulische Bildungsarbeit. Begleitmaterialien für Lehrkräfte erleichtern die Integration in den Unterricht; thematische Schwerpunkte ermöglichen die Verknüpfung mit aktuellen Fragen — etwa der Inklusion, der Medizinethik oder der Erinnerungskultur.

Leistungen der Digitale Lernwelten GmbH im Überblick

Die Digitale Lernwelten GmbH erbrachte in diesem Projekt Leistungen in den Bereichen didaktische Gesamtkonzeption einer Lernplattform zur NS-„Gesundheitspolitik" und Erinnerungskultur, Entwicklung eines modularen Aufbaus für flexible Nutzung in unterschiedlichen Bildungskontexten, multimediale Produktion (Video, Audio, Bildmaterial, interaktive Elemente), Aufbereitung biografischer Zugänge zu den Opfern der Verfolgung, Erstellung von Begleitmaterialien für schulische und außerschulische Bildungsarbeit, technische Entwicklung und Implementierung der Plattform sowie Hosting und Wartung.

Einordnung

Das Projekt „Verachtet — verfolgt — vergessen" zeigt, wie digitale Plattformen einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten können, der über traditionelle Formate hinausgeht. Die Verbindung aus multimedialen Zugängen, biografischem Ansatz und modularer Struktur macht die Geschichte der NS-„Gesundheitspolitik" für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich — ohne die Komplexität des Themas zu vereinfachen oder die Würde der Opfer zu verletzen. Für die Digitale Lernwelten GmbH ist dieses Projekt ein Beispiel dafür, wie historisches Lernen im digitalen Raum gelingen kann: nicht als Ersatz für die Auseinandersetzung an authentischen Orten, sondern als Ergänzung, die neue Zugänge eröffnet und historisches Wissen orts- und zeitunabhängig verfügbar macht.

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